Aktuell/Ongoing

31.08.2019

Brigitt Bürgi, Löwinnen Manifest

Brigitt Bürgi, Löwinnen Manifest

Veranstaltung «Löwendenkmal 21»:
Brigitt Bürgi, Löwinnen Manifest
partizipative Performance / Mitmachaktion
31. August 2019, 13 bis 18 Uhr beim Löwendenkmal
im Rahmen des Luzerner Aktionstages Kunsthoch

Der sterbende Löwe, eindrücklich in Sandstein gehauen, ist Sinnbild einer Zeit von vor 200 Jahren. Ein männliches Tier erinnert an einen kriegerischen Anlass hauptsächlich unter Männern, ein Bildhauer setzt ihn für einen Auftraggeber in Szene. Lauter Zeichen einer Weltordnung ohne sichtbare Präsenz von Frauen.

Der Löwe stirbt, er ist weder tot noch lebendig. In ihrer partizipative Performance «Löwinnen Manifest» nimmt Brigitt Bürgi Stellung zu diesem Denkmal und sucht nach Antworten auf die entscheidenden Fragen: «Wofür sterben?» – « Wofür leben?» Selbstaufgabe und Heldentum oder Bekenntnis zur produktiven Teilnahme am Lebensprozess?

Eine 140 Meter lange rote Stoffbahn wird quer durch das Gelände des Löwendenkmals ausgerollt. Mittels Schablonen und Farbspray können alle an diesem Nachmittag auf dem Gelände anwesenden Menschen die Sätze „What to die for“ und/oder „What to live for“ in schwarzer, bzw. weisser Farbe auf den roten Stoff sprayen. Unausgesprochen und unsichtbar unterlegen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diese Statements mit Inhalten, d.h. mit ihren individuellen Antworten auf die jeweils gewählten Fragen.

Schwarz, Weiss und Rot verweisen auf die seit der Frühzeit in vielen Kulturen der Welt eine zyklische Haltung repräsentierenden Farben, wobei in unserer Kultur die Farbe Schwarz für Tod, Rot für Leben und Weiss für die Erneuerung steht. Mit dem Medium der Performance wird dem historischen, autoritär in Stein gemeisselten Denkmal eine lebendige Form des Nachdenkens über (gemeinsame) Werte entgegengestellt. Als öffentliche Erklärung von Haltungen entspricht dies der Definition eines Manifestes, in der demokratischen Anlage, alle individuellen und nicht explizit ausgesprochenen Haltungen in sich aufzunehmen, widerspricht es hingegen dem dogmatischen Charakter eines jeden Manifestes. Als Abschluss der Performance werden die Stoffbahnen zu einem grossen Knäuel zusammenrollt. Er enthält in sich die buchstäblich geballte Potenz dieser kollektiven Aktion und Denkleistung.

Brigitt Bürgi lebt und arbeitet in Hitzkirch (LU). Nach Musikstudien, mehrjähriger Unterrichtstätigkeit und Ausbildungen in Ritualpraxis verlagerte sie die Schwerpunkte ihrer Tätigkeiten in den 1980er Jahren auf die bildende Kunst. Seither ist sie vorerst als Textildesignerin, dann als Kunstvermittlerin und Kuratorin (u.a. Kunstmuseum Luzern) wie auch als bildende Künstlerin tätig, vornehmlich in den Medien Fotografie und Installation.

L21 ist kuratiert von Peter Fischer, in Zusammenarbeit mit Annick Bosson.

Siehe auch: Webseite Löwendenkmal 21 und Webseite Brigitt Bürgi

04./07./13.09.2019

Lisa Bärtschi, Ham let it be

Lisa Bärtschi, Ham let it be

Veranstaltung «Löwendenkmal 21»:
Lisa Bärtschi, Ham let it be
szenischer Rundgang in vier Akten
4. September / 7. September / 13. September 2019, jeweils 19.30 bis ca. 20.30 Uhr beim Löwendenkmal
Eintritt frei/Kollekte

Mit künstlerischen Mitteln befragt Lisa Bärtschi die geschichtlichen Hintergründe des Löwendenkmals und gestaltet vier spezifische Aspekte szenisch auf die lokalen Gegebenheiten hin. Der Titel ist ein mehrfaches Wortspiel: HAM ( einer der drei Söhne Noahs, gemäss biblischer Überlieferung ein Stammvater) – HAMLET (Shakespeare lässt den dänischen Prinz den Vatermord derart rächen, dass zum Schluss alle Beteiligten tot sind) – LET IT BE (Titelsong des letzten Beatles-Album mit komplexen Referenzen zu Paul McCartneys Biografie, derjenigen der Beatles selbst und einfach auch ein schönes Idiom: «Lass es geschehen»).

Die vier Szenen starten mit einem brennenden Weltenhaus, das von zwei Katzen beweint wird («Miau! Mio!»). Darauf folgen die in einen Dialog, ja gar einen Wettstreit ausartenden Monologe eines Saxophonspielers und einer Rezitatorin («Sterbender Löwe»). In der dritten Szene wird das kuppelförmige Dach der Löwendenkmalkapelle in einen Busen verwandelt, Symbol der Weiblichkeit in paradoxer Mani­fes­tation: Entblössung durch Verhüllung («Urenkelin des Vaterlandes»). Der Rundgang endet themengerecht auf der nahegelegenen Hexenstiege – Ort des Unheimlichen, zugleich an diesem Abend symbolischer Ort für den gesellschaftlich verfolgten Ausdruck von Weiblichkeit – und schliesst den Kreis stimmig wieder mit Feuerzeichen, sozusagen einem Denkmal für die verdrängte, unterdrückte Seite («Hexenstiege wohin?»).

Lisa Bärtschi, ausgebildete Landschaftsarchitektin und Berufsschullehrerin, ist seit den 1990er Jahren als bildende Künstlerin tätig, hauptsächlich in orts- und kontextbezogenen Projekten installativen und performativen Charakters. Seit 2016 arbeitet sie am Projekt «Szenisches Labor» und am Aufbau der «Centraluhr» in ihrem Atelier beim Central in Zürich.

L21 ist kuratiert von Peter Fischer, in Zusammenarbeit mit Annick Bosson.

Siehe auch: Webseite Löwendenkmal 21 und Webseite Lisa Bärtschi

14.09.2019

Lilian Frei, In bocca al leone – Ohne Frauen kein Krieg

Lilian Frei, In bocca al leone

Veranstaltung «Löwendenkmal 21»:
Lilian Frei, In bocca al leone – Ohne Frauen kein Krieg
performative Inszenierung in vier Akten
14. September 2019, 19 bis ca. 20.30 Uhr beim Löwendenkmal
Eintritt frei/Kollekte

Bei ihren Recherchen ist Lilian Frei auf das kürzlich in Colorado (USA) eingeweihte Denkmal zu Ehren der im Dienst umgekommenen Polizisten gestossen, welches aus einer Kopie des Luzerner Löwen besteht. Es trägt die Inschrift: «Ich war dort, wo du fürchtest zu sein. / Ich habe gesehen, was du fürchtest zu sehen. / Ich habe getan, was du fürchtest zu tun. / All diese Dinge habe ich für dich getan.» Dieser Text dient Lilian Frei als Leitfaden für ihre Performance und liefert die Überschriften für die vier Szenen.

Im Kern geht es Lilian Frei aber um die Frage, wo denn die Frauen in diesen Söldnergeschichten sind: «Ich möchte in der Arbeit […] den Todeskampf tanzen. Zwischen Kanonendonner und klagend singender Menschenmenge, in nebelumhüllter Landschaft, zwischen Feuer, (Pulver)-Dampf und Flagge ringt SIE um das Leben und bezwingt den Tod.»

Lilian Frei, Choreographie und Performance
Saadet Türköz, Gesang
Nicola Colombo, Nebelinszenierung
Agnese Zgraggen, Nicoletta Farrazzini, Simona Viviani, Laura Pellegrinelli, Gabi Vort, Corine Mühlbauer, Thomas Ammann, Tobias Schäfer, Asad Hussain, Silvio Imseng, Koni Wyssmann, Adrian Hag, Patrick Frey: Chor und/oder Tanz
Tobias Büchi, Horn/Sound/Koordination
Sebastian Zala, Trompete
Amira Ursula Saadeh und Thomas Lempert, Chorführer

Lilian Frei lebt und arbeitet in Locarno und Zürich. Sie hat sich in interdisziplinären Studiengängen in Barcelona, Zürich (F+F Schule für Kunst und Mediendesign) und Verscio (Accademia Teatro Dimitri) zur Künstlerin mit Schwerpunkt Performance aus- und weiterbilden lassen. Als ihre wichtigste Inspirationsquelle bezeichnet sie den Alltag und den Umstand, in unserer genormten Welt stets gegen etwas anzukämpfen. Frei ist seit den 1990er Jahren mit Projekten im In- und Ausland befasst und hat zahlreiche Stipendien und Preise gewonnen, u.a. 2015 den Performancepreis Schweiz.

L21 ist kuratiert von Peter Fischer, in Zusammenarbeit mit Annick Bosson.

siehe auch: Webseite Löwendenkmal21 / Webseite Lilian Frei

21.09.2019

Vernissage Paarlauf - Freiämter Kunststafette, 5. Staffel

Vernissage Paarlauf – Freiämter Kunststafette, 5. Staffel
Sa 21.09.2019 Singisen Forum, Muri AG

14h00 Begrüssung und Eröffnung der Ausstellung
15h00 / 15h30 / 16h00 Gespräche von Karoliina Elmer und Peter Fischer mit den ausstellenden KünstlerInnen

Ausstellende:
Sadhyo Niederberger & Véronique Zussau
Jonas Studer & Michael Husmann
Ruschy Hausmann & Larissa Frei
Kuratiert von: Peter Fischer und Karoliina Elmer

Ausstellungsdauer 17.08. – 15.09.2019

Vernissage 5. Staffel: Sa 21.09.2019, 14h00
Finissage und Preisverleihung Mathilde Müller-Preis für Kultur im Freiamt:
SO 17.11.2019, 14h00

17.10.-22.12.2019

We Are The Lion • Ausstellung in der Kunsthalle Luzern

Foto: Hansjürg Buchmeier

We Are The Lion
Ausstellung in der Kunsthalle Luzern, im Rahmen des Projektes «Löwendenkmal 2»
kuratiert von Peter Fischer, in Zusammenarbeit mit Annick Bosson
18.10.-22.12.2019
Vernissage Do 17.10., 19 Uhr

Das Luzerner Löwendenkmal ehrt die am 10. August 1792 während der französischen Revolution bei der Verteidigung des Königspalastes in Paris gefallenen Schweizer Gardisten. Es wurde auf Initiative des Patriziers und ehemaligen Gardeoffiziers Carl Pfyffer von Altishofen nach einem Entwurf des dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen im Jahre 1821 errichtet. Im Hinblick auf das 200-Jahrjubiläum befragt das Mehrjahresprojekt «Löwendenkmal 21» der Kunsthalle Luzern dieses weltbe­rühmte und vielschichtige Erinnerungsmonument aus künstlerischer Sicht mit einem interdisziplinären Ansatz.

Nachdem die erste L21-Ausstellung sich 2018 unter dem Motto «Löwen Safari» auf die Spur des Löwen machte und dessen Wesen und Bedeutung – hauptsächlich als Symboltier in verschiedenen Kulturen der Welt – künstlerisch ergründete, wird die Perspektive nun umgekehrt: Unter dem Motto «We Are The Lion / Das Löwen­denk­mal sind wir» blickt die zweite L21-Ausstellung auf diejenigen, die den Löwen, bzw. das Löwendenkmal betrachten.

Das Löwendenkmal gehört seit nahezu 200 Jahren untrennbar zum Stadtbild und – wenn auch wenig reflektiert – zum Selbstverständnis der Luzerner Bevölkerung. Hand­kehrum wird es jedes Jahr von geschätzten 1,4 Millionen Touristen aus aller Welt besucht. Zwischen diesen lokalen und globalen Dimensionen eröff­net sich ein soziokulturelles Spannungsfeld. Die Ausstel­lung und Veranstaltungen versuchen zu ergründen, was bei den unterschiedlichen Betrachtergruppen – den Luzernern und den Touristen – vom Löwen hängen bleibt, und auch nach den kulturellen Hintergründen zu fragen, aus denen heraus der Luzerner Löwe betrachtet wird.

Die festgehaltenen Erinnerungen an den Besuch des Löwendenkmals sind überwiegend bildlicher Natur. Ohne Ausnahme werfen sich sämtliche, mehrheitlich aus Asien anreisenden, die Stadt vermeintlich überschwemmenden Gäste für ein Selfie vor dem Denkmal in Pose. Die Ausstellung interessiert sich auch für die Mechanismen, denen ein Kultur­denkmal im Zeitalter der globalen digitalen Vernetzung durch die massenhafte bildliche Verviel­fäl­tigung und Verbreitung ausgesetzt ist. Dabei stellt sich die Frage nach dem «semantischen Graben», der sich zwischen dem ursprünglichen Zweck des Denkmals und seiner Rezeption nach 200 Jahren auftut, und ob dieser überbrückt werden kann, bzw. wie er überbrückt werden soll.

Ausgewählte Künstlerinnen und Künstlern schaffen speziell für diese Ausstellung neue Arbeiten:
Heidi Hostettler (Kriens), Andrea Iten (Basel), Das Künstlerkollektiv «Labor Luzern» (Kriens), Fernando Obieta (Zürich), Till Velten (Freiburg Br./Basel)

Von Juni bis September 2019 fanden künstlerische Performances vor Ort statt. Sie wurden von diesen Kunstschaffenden speziell für L21 konzipiert und realisiert:
Lisa Bärtschi (Zürich), Brigitt Bürgi (Hitzkirch), Zita Malaika Buess-Watson & Benjamin Heller (Luzern), Klarissa Flückiger & Riccarda Naef (Luzern und St. Gallen), Lilian Frei (Locarno/Zürich), Heidi Hostettler (Kriens), Parvez Imam (Indien/Basel), Beatrice Schumacher & Thomas Zollinger (Basel und Biel), Andreas Weber (Küssnacht a.R.).
Die Performances sind in Form einer Videodokumentation sowie teilweise mit Materi­alien und Produkten in der Ausstellung präsent

Ausserdem sind eine Gesprächsreihe sowie partizipative Sonderprojekte in Vorberei­tung.
Weitere Infos unter: Webseite L21/We Are The Lion

«Löwendenkmal 21»:
Das 200 Jahr-Jubiläum des Luzerner Löwendenkmals veranlasst die sich in unmit­tel­barer Nachbar­schaft domizilierte Kunsthalle Luzern, eines der berühmtesten Denkmäler der Schweiz mit künstlerischen Mitteln und transdisziplinär zu ergründen. Von 2017 bis zum eigent­lichen Jubiläum am 10. August 2021 widmen sich Ausstellungen, Performances, Veranstaltungen und Publikationen allen möglichen Aspekten des Denkmals. Der ebenso nachdenkliche wie anregende Prozess wird während fünf Jahren gemeinsam mit Partnern aus Kultur, Bildung und Touris­mus stattfinden.

Peter Fischer ist Projektleiter von L21 bis Ende 2019.

Siehe: Webseite Löwendenkmal 21

ongoing

Kunstszene Teheran

Die aktuelle Kunstszene im Iran ist lebendig und vielfältig. Die Künstlerinnen und Künstler arbeiten buchstäblich auf dem Boden einer der ältesten Hochkulturen der Welt. Die westliche Sicht auf die iranische Gesellschaft und die zeitgenössische persische Kunst ist getrübt.

Grund genug, sich mit der Kunstszene im Iran vertieft auseinander zu setzen. Mein Ziel liegt darin, mehr Wissen zu erlangen, um Projekte des Austausches zwischen iranischer und europäischer Kunst, bzw. den Kunstschaffenden zu entwickeln.

Seit 2016 führen mich verschiedene Reisen in Ateliers von Künstlerinnen und Künstlern, ermöglichen den Austausch mit Schlüsselfiguren der Szene, Treffen mit Mentoren, Sammlern, Galeristinnen und Kritikern, Vertretern von Hochschulen und der sich weierentwickelnden Museumsszene.

Über konkrete Projekte werde ich zu gegebener Zeit an dieser Stelle berichten. Die aktuelle politische Situation ist leider weder für die im Iran arbeitenden Kunstschaffenden inspirierend, noch Austauschprojekten förderlich.

Finding the Third Way, Artikel der Künstlerin und Kritikerin Jinoos Taghizadeh, in: Bidouin, issue 13.